Sinkende Löhne und Gehälter trotz Aufschwung

von Karl-Heinz Klein

Laut einer Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), am vergangenen Mittwoch (20.07.2011) in Funk und Fernsehen veröffentlicht und kommentiert, sinken die Löhne obwohl die Wirtschaft brummt. Das Institut der deutschen Wirtschaft und Arbeitgeberverbände widersprachen der Studie und stellten das Ergebnis in Abrede.
Preisbereinigt sind die Nettolöhne aller Beschäftigten – laut DIW - seit 2000 im Durchschnitt um 2,5 % gesunken. Der Einkommensrückgang im Niedriglohnbereich sank dagegen bis zu 22%. Besorgniserregend ist zudem die Zunahme des Anteils von Niedriglohn-Beschäftigten auf etwas mehr als ein Drittel aller Beschäftigten und damit der Anstieg des Armutsrisikos von Erwerbstätigen.
Sinkende Einkommen der Arbeitnehmerschaft bei daraus resultierender schwacher Binnen-nachfrage und steigende Einkommen bei den Kapitalinhabern ist mittlerweile kennzeichnend für die deutsche Wirtschaft. Die von SPD und B90/Die Grünen eingeführten und von CDU und FDP tolerierten Arbeitsmarktreformen haben hierzu beigetragen. Geringfügige Beschäftigte und Leiharbeiter müssen das Recht auf gleiche Bezahlung wie vergleichbare Beschäftigte in Vollzeit haben. Für ungelernte und geringqualifizierte Arbeitnehmer muss es einen allgemeingültigen Mindestlohn geben. Arbeitslose müssen einen Anreiz haben um in Arbeit zu kommen. Dieses kann nicht durch Kürzung von Leistungen geschehen - wie es einige Politiker wollen – sondern durch Zahlung von Löhnen die es dem Arbeitnehmer ermöglichen, von dem was sie verdienen ein zufriedenstellendes Leben führen können ohne Aufstockung durch den Staat. Aufstockung ist unwürdig dem betroffenen Arbeitnehmer gegenüber und unsozial gegenüber der Allgemeinheit.
Ein Mindestlohn von 10,00€ sollte m.E. die unterste Grenze des Verdienstes sein.
Bei 10€ und 170 Arbeitsstunden im Monat und einem daraus resultierendem Bruttolohn von 1700€ hat z.B. ein lediger Arbeitnehmer ca. 1170€ Nettolohn, ein verheirateter Arbeitnehmer mit einem Kind ca. 1348€ Nettolohn. Bei Lebenshaltungskosten wie in Holzminden mag man damit zurecht kommen. Bei Zahlung von Großstadtmieten wird es schon schwieriger.


Was kann dazu führen, dem Arbeitnehmer mehr „Brutto vom Netto“ zu verschaffen?
Die gerade von der FDP geforderte Steuersenkung bringt vor allem dem Geringverdiener und einem Teil der Familien kaum einen Nutzen. Rund 20% Sozialabgaben fallen aber – vor allem bei vollbeschäftigten Geringverdienern – voll beim Lohn ins Gewicht. Eine Senkung der Sozial-abgaben wäre ein lohnender Schritt. Eine Senkung könnte durch die Abschaffung der Beitrags-bemessungsgrenze kostenneutral bewältigt werden. Die, die es sich leisten können zahlen etwas mehr an Sozialabgaben, erweisen sich aber dem normalen Gehaltsempfänger und Geringverdienern gegenüber solidarisch.
Eine weitere Möglichkeit zur Senkung der Sozialversicherung wäre die Einführung der Bürger-versicherung so wie die Grünen sie planen. Eine Einbeziehung aller Einkommen führt zu mehr Einnahmen und senkt für die Mehrheit der Versicherten die Kosten.
Das Einkommen von Konsumenten darf nicht weiter geschwächt werden. Der Staat darf es nicht zulassen, dass Millionen von Arbeitnehmer durch zu geringe Löhne und Gehälter in Unterversorgung in den Bereichen Wohnen, Bildung, Gesundheit und Versorgung mit technischer und sozialer Infrastruktur kommen. Der Staat darf es nicht zulassen, dass Arbeitnehmer nach einem langen Arbeitsleben nicht von ihrer Rente leben können und in Altersarmut geraten.
Wir, als Gesamtgesellschaft, sollten wieder mehr Verantwortung übernehmen. Solidarität und Mitgefühl müssen in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert bekommen.
Für jeden Menschen, vor allem aber für Menschen die Verantwortung für andere übernommen haben – insbesondere Politiker und Unternehmer- abschließend noch eine Buchempfehlung: Arthur Schopenhauer „Über die Grundlage der Moral“ und „Die Welt als Wille und Vorstellung“.

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